Ebenen

Betrachten Sie Ihre Komposition als Gemälde und Sie werden 60 Kunstwerke pro Sekunde kreieren. Jede Ebene ist eine Farbschicht auf Ihrer Leinwand.

Wir beginnen ganz unten mit einer leeren Leinwand. Ebene 1 ist die erste Farbebene, die wir auftragen. Dann kommt Ebene 2, dann Ebene 3. Langsam fügen wir eine Ebene nach der anderen hinzu, bis ein Meisterwerk entstanden ist. 

Oder ein einziges Chaos. Manchmal beides. Es ist Ihre kleine Welt und Sie können sie gestalten, wie Sie möchten.

Manche Leute glauben, die erste Ebene sollte ganz oben liegen. Vermutlich weil wir auch beim Lesen von Büchern oben links beginnen (zumindest in der westlichen Kultur)

In der Malerei trägt man jedoch sehr selten die oberste Farbebene zuerst und die darunter liegenden Ebenen danach auf. Da wir als Künstler ein Meisterwerk malen und nicht als Schriftsteller einen Roman schreiben, liegt bei uns die erste Ebene ganz unten.

Blending und Compositing

Die erste Farbebene wird immer auf Schwarz aufgetragen. Sie füllt die ganze Leinwand aus und Sie können entscheiden, wie dick die Farbe aufgetragen wird. Mit dem 'V' Slider kann man die Ebene einfach ein- und ausblenden.

Entsprechend kann man beim Abspielen von Audio mit dem 'A' Slider ein- und ausblenden oder mit dem 'M' Slider Audio und Video gleichzeitig steuern.

Der eigentliche Spaß beginnt aber erst, wenn man Ebenen überlagert. Dieses Blending ist wie 'feucht auf feucht' malen. Die neue Ebene mischt sich mit der bereits vorhandenen Farbe. Auf diese Weise kann man jede neu hinzugefügte Ebene mit den darunter liegenden auf unterschiedliche Weise mischen.

Die Standard-Überlagerung ist 'Hinzufügen' (Add). Mit dieser Option legt man die neue Ebene einfach über die vorherige und addiert somit die Pixel. Perfekt geeignet zum Mixen von Clips mit schwarzem Hintergrund. 

Kein Interesse an Mathe? Dann können Sie diesen Absatz überspringen. Falls doch, umso besser. Der RGB-Wert von schwarzen Pixeln ist Null und beim Addieren einer Null zu einem anderen Wert ändert sich gar nichts. Daher werden schwarze Pixel beim Anwenden der Hinzufügen-Überlagerung transparent.

Zu viel des Guten

Theoretisch kann man beliebig viele Ebenen verwenden. Oder zumindest so viele, bis der Computer zu qualmen beginnt.

Neue Ebenen werden mit den Menü-Optionen "Ebene > Neu" und "Ebene > Darüber/Darunter einfügen" hinzugefügt. Die Option „Neu“ setzt die neue Ebene an die Spitze des Ebenen-Stapels, während die Option „Einfügen“ die neue Ebene über oder unter der aktuell gewählten Ebene einfügt. Wer Tastenkürzel bevorzugt, kann auch mit STRG-L (oder CMD-L beim Mac) eine neue Ebene hinzufügen.

Dies ist ein guter Moment, um über Komposition zu reden und wie man seinen gesamten visuellen Output zusammenstellt.

Man kann natürlich immer mehr Ebenen übereinander stapeln – aber wie häufig gilt: „Weniger ist mehr“. 3 Ebenen können schon mehr als genug sein. Eine gute Komposition gibt jeder Ebene Raum zum Atmen, anstatt jedes Pixel auszufüllen.

Durch zusätzliche Überlagerungen via "Hinzufügen" wird die Komposition schnell überfrachtet.

Sogar bei nur 3 Ebenen erhält man als Ergebnis schnell eine weiße Suppe. Suppe schmeckt zwar gut, ist aber nicht schön anzusehen. Und wenn man eine LED-Wand bespielt, ist es direkt vor der Bühne so hell, dass sich das Publikum nicht mehr wohl fühlt.

Glücklicherweise bietet Resolume viele Überlagerungsmöglichkeiten, die die Ausgabe manchmal sogar dunkler anstatt heller machen.

Um die Überlagerung zu ändern, klickt man auf das Dropdown-Menü „Hinzufügen“ und wählt eine andere Option aus der langen Liste. Wir wählen „Darken“ für die zweite und „Dodge“ für die dritte Ebene.

Ja, viel besser. Man kann immer noch die Textur und das Design jeder Ebene erkennen, aber das Ergebnis ist nicht so überstrahlend.

Alpha-Überlagerung

Wer sehr sauber malen möchte, verwendet Content mit einem Alpha-Kanal. Clips mit Alpha-Kanal verfügen über Transparenz-Optionen, damit man Ebenen übereinander stapeln kann, ohne die Farben zu vermischen. Auf diese Weise kann man präzise steuern, welche Pixel angezeigt und welche verborgen werden, wobei das Gesamt-Composite frisch und sauber bleibt.

Der meiste im Resolume Shop erhältliche Content verfügt über einen Alpha-Kanal. Wenn Ihr Content keinen Alpha-Kanal besitzt, können Sie die schwarzen Pixel mit dem Auto Mask-Effekt transparent schalten. Spielen Sie etwas mit dem Kontrast-Parameter, um das gewünschte Ergebnis zu erhalten.

Bei Kompositionen mit Alpha-Kanälen sollte man mit einer Methode namens „Background / Focus / Frame“ arbeiten.

Ihre erste Ebene ist der Background. Sie bemalen die gesamte Leinwand dieser Ebene mit einem bildschirmfüllenden Loop. Damit gibt man der Komposition eine Textur und Anfangsbasis. Abstrakte Loops mit Mustern sind ideal geeignet.

Darüber, auf der zweiten Ebene, malen Sie ein erkennbareres Element. Damit lenkt man den Fokus des Betrachters. Gesichter sind immer ein Winner, aber man kann alles verwenden, das eine Beziehung zur Musik oder dem Thema auf der Bühne hat. Wer kommerziell orientiert ist, kann hier auch das Logo des DJs platzieren.

Die dritte Ebene verwendet man zum Einrahmen (Frame) der Ebenen darunter. Die Ebene dient als Fenster, das wie in Filmen Teile des darunter liegenden Contents blockiert. Dies gibt der gesamten Komposition eine starke Tiefenwirkung und indem man Teile der Komposition ständig verbirgt und enthüllt, bleibt alles sehr dynamisch.

Natürlich dürfen Sie auch mehr Ebenen und bei einem komplexeren Bühnendesign sogar mehrere Fokus-Punkte verwenden.

Überlagerungs-Typen

Leider ist dieses Handbuch zu kurz, um die Arbeitsweise jeder Überlagerung genau zu beschreiben.

Überlagerungen

Sie überlagern und mischen die Farben Ihrer Ebenen. Bei 50 % Deckkraft wird die Farbe vollständig mit den darunter liegenden Ebenen gemischt. Bei 100 % Deckkraft wird die darunter liegende Farbe vollständig verdeckt, so wie wenn Sie eine völlig neue Farbebene auf Ihre Leinwand auftragen.

Manche Überlagerungen erzeugen eine hellere Ausgabe, etwa 'Hinzufügen', 'Lighten' und 'Bildschirm'. Andere verdunkeln die Ausgabe, wie 'Subtract', 'Darken' und 'Multiply'. Und wieder andere sind einfach schräg drauf, wie 'Difference I' oder 'Dodge'.

Am besten setzt man sich mit einer Tasse Kaffee oder Tee hin und probiert alle aus. Dadurch bekommt man ein generelles Gefühl für die Funktionsweise. Man sollte alles auch mit verschiedenen Content-Typen ausprobieren, da diese abhängig von der Überlagerung sehr unterschiedliche Ergebnisse liefern.

50er Überlagerungen 

Dies sind besondere Überlagerungs-Typen. Sie funktionieren wie ihre normalen Gegenstücke, außer dass sie ihre Farben mit einer Deckkraft von 100 % mischen. Sie sind besonders gut für AV Mixing geeignet, da man den Audio- und Video-Slider ganz hochschieben kann. Superstar DJs schieben auch die Midi-Fader ganz nach oben.

Überblendungen

Manche Überlagerungen sind eigentlich Überblendungen. Indem man die Ebene von 0 % auf 100 % aufblendet, wird eine Art Überblendung angewandt.

Beispiel: 'MultiTask' erzeugt eine Art Cover Flow-Überblendung, bei der die neue Ebene von der Seite kommt und die Ebene darunter in den Hintergrund drückt. 'Shift RGB' bringt die Rot-, Grün- und Blau-Kanäle der neuen Ebene von links, rechts und oben ins Bild.

Überblendungen funktionieren am besten für Präsentations-Shows, während etwa 'to White' sich ideal eignet, um bei einem VJ Set eine neue Ebene mit einem Bäng erscheinen zu lassen.

Entfernen, umgehen und solo

Diese drei Elemente findet man ganz links auf der Ebenen-Leiste.

Das X entfernt den aktuell laufenden Clip aus der Ebene.

Das B (Bypass) umgeht die Ebene und macht sie vorübergehend unsichtbar.

Das S schaltet die Ebene auf Solo und verbirgt alles außer der aktuellen Ebene. Damit kann man sich bei der Fehlersuche schnell auf eine Ebene fokussieren oder während einer Show einen visuellen Effekt erzeugen und ein bestimmtes Element herausstellen.

BS-Situationen, bei denen Solo und Bypass aktiviert sind, sollte man jedoch vermeiden, da dann nichts mehr angezeigt wird.

Ebenen-Reihenfolge

Um die Reihenfolge der Ebenen zu ändern, zieht man eine Ebene einfach an ihrem Namen-Anfasser und legt sie an der gewünschten Stelle ab. 

Ebenen-Überblendungen

Damit können Sie beim Triggern eines neuen Clips auf einer Ebene eine Überblendung hinzufügen und so fließend vom laufenden alten Clip zum neuen überblenden.

Die Auto-Ebenen-Überblendungen kann man via 'Ansicht > Ebene Überblendungselemente anzeigen' aktivieren und links neben den Clip-Miniaturbildern anzeigen lassen.

Danach wählen Sie einfach mit dem vertikalen Slider die Länge der Überblendung (zwischen 0 und 10 Sekunden). Im Ebenen-Panel kann man außerdem die Überblendungszeit bis auf die Millisekunde genau einstellen.

Die Überblendung ist auf Alpha voreingestellt. Wenn Ihnen dieses einfache Crossfade zu einfach ist, können Sie stattdessen jede andere verfügbare Überlagerung oder Überblendung wählen. Eine meiner Favoriten ist 'Twitch'. Und 'Cube' ist so wunderschön kitschig. 

Wenn Sie sich für keine Überblendung entscheiden können, nutzen Sie die Option 'Zufallsgesteuert', die bei jedem Triggern eines neuen Clips eine andere Überblendung erzeugt. 

Voriger / Nächster Clip

Ja! Mit diesen Buttons kann man den nächsten oder vorherigen Clip dieser Ebene triggern. Man kann diesen Buttons auch MIDI und Tastenkürzel zuweisen.

Diese Buttons sind ein Bonus zu den Ebenen-Überblendungselementen und können via 'Ansicht > Ebene Überblendungselemente anzeigen' aktiviert werden.

Ebenen-Eigenschaften

Um eine Ebene zu wählen, klicken Sie auf den Bereich des Ebenennamens, z. B. Ebene 1. Die aktuell gewählte Ebene ist blau markiert.

Auto Pilot

Mit der Autopilot-Funktion kann man eine Sequenz von Clips auf einer Ebene abspielen. Wenn der aktuelle Clip endet, triggert Resolume automatisch den nächsten, vorherigen oder einen zufällig gewählten Clip.

Tipp! Wenn man die Buttons „Nächster“, „Voriger“ oder „Zufällig“ vor dem Ende des aktuellen Clips anklickt, tritt der Autopilot vorzeitig in Aktion. Dies kann jedem passieren, wahrscheinlich waren Sie nur nervös

Man kann den Autopiloten auch auf dem Clip Level einstellen. In diesem Fall kann man direkt zum ersten, letzten oder sogar einem bestimmten Clip auf der Ebene springen.

Ebene

Enthält den Master-Fader der Ebene. Er blendet Audio und Video gleichzeitig aus/ein, ohne deren individuelle Pegel zu beeinflussen.

Audio

Damit steuern Sie Lautstärke und Pan des auf der Ebene abgespielten Audiomaterials.

Video

Hier kann man die Überlagerung und Deckkraft der Ebene wählen. Diese Regler sind identisch mit den Reglern der Ebenen-Leiste oben.

Breite & Höhe ändern die Auflösung, mit der die Ebene rendert.

Tipp! Durch Verringern der Breite & Höhe kann man sehr viel Rendering-Leistung einsparen. Beispiel: Man kann eine 7680x4320 Komposition rendern, wobei vier Ebenen in den vier Ecken auf 3840x2160 eingestellt sind. Hierbei verarbeitet jede Ebene nur die eingestellte Auflösung anstelle der vollen 8K Auflösung.

Auto Size stellt sicher, dass Ihr Content immer an die Größe der Ebene angepasst wird. Man kann den gesamten Content so einstellen, dass er automatisch mit den Optionen Fill, Fit oder Stretch an die Ebenengröße angepasst wird.


  • Aus: Der Content bleibt unverändert.
  • Fill: Der Content füllt die gesamte Ebene aus, wobei das Seitenverhältnis erhalten bleibt. Hierbei werden eventuell die Seiten oder der obere und untere Rand des Clips abgeschnitten. 
  • Fit: Der Content bleibt komplett sichtbar, wobei das Seitenverhältnis erhalten bleibt. Hierbei werden eventuell Seitenbereiche oder die oberen/unteren Ränder des Clips mit Schwarz aufgefüllt.
  • Stretch: Streckt den Clip auf die Breite und Höhe der Ebene, wobei der Content nötigenfalls verzerrt wird. 

Ebenen-Transportelemente

Mit den Ebenen-Transportelementen erhalten Sie schnellen Zugriff auf die Transport-Sektion des aktuell auf dieser Ebene laufenden Clips.

Mit der Transport-Sektion kann man schnell die Geschwindigkeit, die Richtung und den Loop-Modus des Clips ändern. Man kann den Abspielkopf auch festhalten und scratchen. Im BPM Sync-Modus wird die Beat-Anzahl an Stelle der Geschwindigkeit angezeigt.

Diese Elemente findet man praktischerweise auch in der Transport-Sektion des Clip-Tab, außer dass man mehr als einen Clip gleichzeitig sehen und steuern kann. Wenn man etwas an einer Stelle ändert, wird es auch an der anderen Stelle aktualisiert.

Man kann die Ebenen-Transportelemente via 'Ansicht > Ebenen-Transportelemente' anzeigen und verbergen.

Trigger-Optionen

Damit stellt man besondere Trigger-Optionen für alle Clips einer Ebene ein. Man kann die Optionen natürlich für einzelne Clips auf dem Clip-Level außer Kraft setzen.


Spalten-Trigger ignorieren

Wenn eine Spalte getriggert wird und diese Option aktiviert ist, laufen Clips auf dieser Ebene weiter. So bleiben Clips wie Live-Einspielungen oder Backgrounds erhalten, aber der restliche Content lässt sich mit einem einzigen Klick ändern.

Beim Laden ersten Clip triggern

Nachdem die Komposition komplett geladen ist, wird der erste Clip der Ebene automatisch getriggert. Danach werden alle Auto Pilot-Aktionen normal ausgeführt. Man kann damit einfache Installationen mit Resolume durchführen oder beim Starten der Software schnell ein Testbild/-video starten.

Fader-Start

Triggert den aktuellen Clip jedesmal neu, wenn man die Deckkraft hochfährt.

Ebene maskieren

Man kann eine Ebene in den Maskierungs-Modus schalten und somit alle Ebenen darunter oder nur eine Ebene maskieren.

Im Maskierungs-Modus nutzt die Ebene die Schwarz- und Weiß-Werte des aktuell laufenden Contents, um die darunter liegenden Ebenen anzuzeigen oder zu verbergen. Alpha wird wie Schwarz behandelt.

Resolume zeigt als Mini-Ansicht der Gemengelage die Miniaturbilder in Graustufen an. Es zeigt auch eine kleine Ecke mit einem Transparenz-Schachbrett an – zur Erinnerung, dass diese Ebene aktuell als Maske benutzt wird.

'Alle Darunter' wendet die Maske auf alle Ebenen unter der Masken-Ebene an. Man könnte die Ebene genauso gut auf ‚Mask50‘ einstellen.

'Eine Darunter' wendet die Maske nur auf die Ebene direkt unter der Masken-Ebene an und lässt die anderen Ebenen unbeeinflusst. Man könnte die Ebenen in After Effects genauso gut auf ‚Luma Track Matte‘ einstellen.

'Deaktiviert' macht aus der Masken-Ebene wieder eine normale Ebene.

Inhalt sperren

Damit kann man den aktuell auf der Ebene laufenden Content sperren.

Dadurch kann der aktuelle Clip nicht versehentlich entfernt oder ein anderer Clip auf dieser Ebene getriggert werden. Die Ebenen- und Clip-Parameter lassen sich weiterhin steuern und ändern.

Als visuelles Signal wird ein Vorhängeschloss-Icon über dem Ebenen-Vorschaubild angezeigt.

Duplizieren, Umbenennen, Löschen und Entfernen

Natürlich kann man auch Ebenen duplizieren, löschen, entfernen oder umbenennen. Wie „Duplizieren“ funktioniert, dürfte klar sein.

Umbenennen ist eine Art Sonderfall. Damit kann man zunächst einmal eine Ebene umbenennen.

Ein Sonderfall deshalb, weil man # als Sonderzeichen benutzen kann. Beim Anzeigen des Namens ersetzt Resolume das Zeichen # durch die aktuelle Position der Ebene im Stapel. Beispiel: Man nennt die Ebene "L# Maske" und der Ebenenname wird als "L3 Maske" angezeigt, wenn es sich um die dritte Ebene im Stapel handelt. Wenn man die Ebene nach oben oder unten schiebt, wird der angezeigte Name automatisch aktualisiert.

Nun zum Unterschied zwischen Clips löschen und Entfernen: Bei "Clips löschen" wird der gesamte Content einer Ebene gelöscht, aber die Ebene bleibt erhalten. Beim Entfernen wird sowohl der Content als auch die Ebene in einem Rutsch gelöscht.

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